Zum Inhalt springen

Ökumenischer Kreuzweg der Jugend 2021 in Aschbach

Datum:
Veröffentlicht: 26.3.21
Von:
Peter Segna

„Es wäre langweilig gewesen, es wieder ausfallen zu lassen.“ Mit diesen Worten fasst Jannes Jäger (17) aus der Vorbereitungsgruppe des Jugendkreuzweges die Motivation zusammen, aus der heraus der Ökumenische Jugendkreuzweg 2021 in Aschbach im Steigerwald in neuer Art umgesetzt wurde.
1958 begann der Jugendkreuzweg als „Gebetsbrücke“ zwischen jungen katholischen Christinnen und Christen in der Bundesrepublik und der damaligen DDR; seit 1972 wird er ökumenisch gebetet. Heute überbrückt die gemeinsame Feier Konfessionen, Gesinnungen und Generationen. Mit jährlich knapp 60.000 Teilnehmenden gehört der Jugendkreuzweg heute zu den größten ökumenischen Jugendaktionen. Auch in den Niederlanden, Österreich und den deutschsprachigen Teilen von Luxemburg, Belgien und der Schweiz beten ihn junge Christinnen und Christen.
Ganz neu ist der Ökumenische Jugendkreuzweg also nicht und mit der Zeit hat er auch seine gewohnte Form in den Gemeinden gefunden, die ihn mit Hilfe des Materials umsetzen, das die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) jedes Jahr neu dafür herausgeben.
Nachdem 2020 die beginnende Covid19-Pandemie den Ökumenischen Jugendkreuzweg getroffen hat, wie alle Gottesdienste der Fasten- und Osterzeit, hat man sich in der Redaktion dafür entschieden, sich mit dem diesjährigen Ökumenischen Jugendkreuzweg „backstage“ dem Thema Pandemie zu stellen und hinter die Kulissen der Oberammergauer Passionsspiele zu schauen, damit junge Menschen ihre eigene Haltung zu Leiden, Tod und Auferstehung finden können.
1634, nachdem viele Dorfbewohner Oberammergaus der Pest zum Opfer gefallen waren, reagierte man mit der ersten Inszenierung der Passion Christi im Ort auf dieses traumatische Erlebnis. Eine Tradition, die seit dieser Pest-Pandemie durch die Bewohner Oberammergaus im zehnjährigen Rhythmus am Leben gehalten wird und heute weltweit bekannt ist. 2020 mussten die Passionsspiele – wie der Ökumenische Jugendkreuzweg – wegen der Covid19-Pandemie entfallen und wurden auf 2022 verschoben. Das gab die Gelegenheit, für den Ökumenischen Jugendkreuzweg 2021 hinter die Kulissen der Passionsspiele zu schauen und die Auseinandersetzung der zahlreichen Laienschauspieler mit ihrer Rolle und dem Themen der Passion zu beleuchten.
Die weiterhin aktive Pandemie mit ihren notwendigen Hygiene- und Präventionsmaßnahmen stellt nun die Vorbereitungsgruppen in den Gemeinden vor die Herausforderung den Ökumenischen Jugendkreuzweg 2021 in pandemiegerechter Form umzusetzen oder ihn – wie so Vieles – ausfallen zu lassen. Diese Herausforderung nahmen die jugendlichen aus der evangelisch-lutherischen und römisch-katholischen Kirche von Aschbach unter der Begleitung des evangelischen Pfarrers Bernd Wagner und der katholischen Gemeindereferentin Petra Kleineisel an. Zusammen mit Konfirmanden und Firmlingen wurde der Ökumenische Jugendkreuzweg in einen Rundweg umgesetzt, der von der evangelischen zur katholischen Kirche in Aschbach führt. Vom 26. März bis zum Karfreitag am 2. April kann so der Kreuzweg pandemiegerecht und kontaktarm von jedem Interessierten individuell gegangen und gebetet werden. An jeder Station findet man einen analogen Impuls für alle ohne Handy, aber auch QR-Codes, die auf Videos weiterleitet, in denen die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe nun selbst zu Passions-Schauspielern geworden sind.
Diese Erfahrung zeigt Wirkung bei den Jugendlichen. Sie haben nicht nur – wie üblich – Texte vorgelesen, sondern sich in einen Rolle einfinden müssen, über die Umsetzung diskutiert und sich tief ins Thema eingelassen. „Man merkt, dass es einem selbst etwas bringt.“ War die einhellige Meinung in der Vorbereitungsgruppe. Der eigene Einsatz, andere Wege gehen und die tiefere Auseinandersetzung mit dem Inhalt, weil man ihn neu umsetzen will, wurden als deutlicher Gewinn beim diesjährigen Vorbereiten des Ökumenischen Jugendkreuzweges erlebt. Dieser Spirti – Heiliger Geist – aus der Vorbereitung begleitet alle, die die Stationen des Rundweges alleine oder in corona-konformer Gemeinschaft gehen.
Dass dieser Weg möglich war, lag an der Offenheit und Einsatzbereitschaft der Vorbereitungsgruppe, aber auch daran, dass einfach die Richtigen mit den nötigen Fähigkeiten zur richtigen Zeit zusammen gekommen sind. Ehrenamtliche Einsatzbereitschaft, Mut und Schauspielerische Begabung, technische Ausstattung und Können sind in der Gruppe vorhanden und wurden eingebracht und genutzt. Die Hauptamtlichen waren nicht „die Macher“, sondern Teammitglieder und Begleiter. Ein zukunftsweisendes Stück christliches Gemeindeleben – selbst in Zeiten einer großen Pandemie.